JKS ist stolzer Kooperationspartner des Heimatsucher e.V.

Voller Stolz darf sich die Johannes-Kepler-Schule (JKS) nun Kooperationspartner des Heimatsucher e.V. nennen. Im Rahmen des heutigen Z(w)eitzeugen-Projekttages wurde in einem feierlichen Akt der Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die Zusammenarbeit beider Institutionen in den kommenden Jahren auf eine neue Basis stellen wird.

Der Heimatsucher e.V. mit Sitz in Düsseldorf hat in jahrelanger Arbeit die Geschichten von Holocaust-Überlebenden gesammelt, dokumentiert und für Schulen in einem einzigartigen Konzept aufgearbeitet. Fortan werden jährlich interessierte Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen durch Z(w)eitzeugen ausgebildet. Dies sind junge Menschen, die mit ihrem Engagement dafür sorgen möchten, dass die (Über-)Lebensgeschichten von Holocaust-Opfern auch nach deren Tod nicht in Vergessenheit geraten.

Schülerinnen und Schüler erstellen einen typischen Tagesablauf – und entdecken recht schnell, was für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger ab 1933 nicht mehr ging.

Der heutige Projekttag unter der Leitung von Frau Heks und Herrn Diekmann begann für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler mit einem scheinbar harmlosen Arbeitsauftrag: „Überlegt euch, wie euer normaler Tagesablauf aussieht.“ Sehr schnell herrschte Einigkeit: Neben einem ausgiebigen Frühstück, einer Busfahrt zur Schule, stundenlangem Lernen (und, dies wurde betont, „garantierter Erledigung sämtlicher Hausaufgaben!“) steht auch ein großer Block Freizeit auf dem Plan: Freunde treffen, Sport treiben und Kinobesuche sind ein Muss!

Doch was hat dies mit dem Holocaust zu tun…? Diese Frage fand eine erschreckende Antwort, als die in den Jahren 1933 – 1945 erlassene Gesetze gegen Menschen jüdischen Glaubens zu Rate gezogen wurden:

  • Frühstück? Milchhandel war verboten! Eine trockene Angelegenheit…
  • Bus fahren? Fehlanzeige – Für Menschen jüdischen Glaubens verboten…
  • Schulbesuche? Seit Ende der 1930er Jahre verboten!
  • Sport treiben? Jüdische Kinder wurden aus Vereinen ausgeschlossen!
Schülerinnen und Schüler beobachten „Fußspuren“, die sie als besonders wichtig in den Geschichten erachteten.

Um die Auswirkungen auf das Leben junger jüdischer Menschen für die Schülerinnen und Schüler greifbarer zu machen, wurden in eindrucksvoller Weise die Geschichten von Elisheva Lehman und Siegmund Pluznik vorgetragen. Äußert gespannt lauschten die Anwesenden den unglaublichen Schicksalen, die diese Menschen erleiden mussten. Elishevas Leben führte beispielsweise von einer unbeschwerten Kindheit über neun verschiedene Verstecke in den Niederlanden während des Krieges (und der verlorenen Jugendliebe „Bernie“!) hin zu ihrem glücklichen Weiterleben in Israel. Nach einer kurzen Pause gestalteten die Schülerinnen und Schüler Fußabdrücke auf buntem Papier, beschriften diese mit ihren Eindrücken und legten sie an die Stelle des auf dem Boden ausgebreiteten Lebenslaufes, die sie persönlich am meisten beeindruckte. Es herrschte eine gespannte Arbeitsatmosphäre vor. Das hohe Interesse war den gesamten Tag über anhand der Nachfragen, Rückfragen und auch der Gesprächsbeiträge sehr deutlich spürbar. 

Nach der Präsentation der beiden Lebensläufe war den Schülerinnen und Schülern klar, dass sie diese Geschichten künftig weitererzählen (müssen)! Manche planten, ihre älteren Familienmitglieder zu den damaligen Ereignissen und ihren Erfahrungen zu interviewen, um zu erfahren, „wie das damals war“. Gezeigt wurde dann ein kurzer Filmbeitrag über die Freude, die die Zeitzeugen heute übermannt, wenn sie Briefe von Schulklassen bekommen, die sich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt haben. Um diese Freude weiterhin in den Gesichtern der Überlebenden sehen zu können, schrieben die Projektteilnehmer an Elisheva Lehman bzw. an die Enkel des inzwischen verstorbenen Siegmund Pluznik  persönliche Briefe, die durch den Heimatsucher e.V. an die entsprechenden Personen übergeben werden.

Was soll man nur einpacken, wenn man flüchten muss? Eine auch heute noch für viele Menschen leider sehr aktuelle Frage.

In der abschließenden Reflexion des heutigen Tages wurde viel gelobt – auch das vorbildliche Verhalten unserer Schülerinnen und Schüler, die aktiv, interessiert und motiviert dieses Projekt mitgestaltet haben.

Wir danken dem Heimatsucher e.V. für die Durchführung dieses Projektes an unserer Schule. Dank des Kooperationsvertrages können wir bereits heute verkünden, dass es im kommenden Jahr einen weiteren Projekttag für die 9. Klassen geben wird – wir freuen uns darauf!

Text: S. Heks / P. Diekmann

Fotos: A. Schiffer / P. Diekmann

Das Z(w)eitzeugen-Projekt an der JKS wird in diesem Jahr aus den Fördermitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ finanziert. Wir sagen Danke!

 

Eindrücke aus dem Z(w)eitzeugen-Projekt 2019